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80er Jahre, Luftschutzbunker und 99 Luftballons

Bei meiner morgendlichen BILD-Lektüre auf einen Artikel (->hier) gestoßen, der ein wenig Gefühle meiner Kindheit in den 80er Jahren aufleben ließ. Es geht hier um Bunker, Notvorräte und Autobahnen mit militärischem Mahrwert.

In mir hat das Bilder meiner Kindheit in den 80er Jahren im ländlichen Schwaben geweckt. 1984 bis 1989 haben wir im schönen (naja) Landensberg gewohnt. Es gab (und gibt) im alten Ortskern eine Bushaltestelle mit großem Wendekreis und viel Grün drum herum.

Zweimal im Jahr (oder so) war dieser Platz dann Standort für US-Soldaten und ihre Fahrzeuge, die ins Manöver gezogen sind. Das war dann immer ein Suchen von Patronenhülsen und anderen Dingen, die – eigentlich als Müll – liegen geblieben sind. Tiefe Furchen von den Reifen der Fahrzeuge waren dann nach ein paar Tagen die letzten Zeugen dieser Übungen.

Das Gefühl war neben dem Rummel, der dann immer war (wir haben davon wenig mitbekommen im Neubaugebiet), dass dies nötig ist um uns vor einem Feind zu verteidigen, der jederzeit angreifen könnte.

Die erste Hälfte der 80er Jahre waren auch die Zeit des NATO Doppelbeschlusses und auf meinem Weg zur weiterführenden Schule prankte dann auch ein Grafitti mit den Worten „Macht Petting statt Pershing“. James Bond hatte mit der UDSSR einen festen Feind und auch viele Aktionserien der 80er hatten meistens mindestens eine Folge mit einem KGB-Spion. Es war bedrohlich und man musste auf das Schlimmste vorbereitet sein – etwa so wie im Film „Wenn der Wind weht“.

Das Ende der 80er Jahre habe ich dann in Weilrod verbracht. Im Jahr der Wende sind wir imAugust umgezogen und später im Jahr ging dann die Mauer auf. Das Gefühl von Angst und permanenter Paranoia, das man als mein erstes gesamtpolitisches Gefühl beschreiben könnte, wich einer Euphoeire von Aufbruch und Optimismus. Kleiner Wehmutstropefen war, dass unsere Weihnachtsgeschenke, zwei Fernseher, je einer für meine Schwester und mich, mit mehreren Wochen Verspätung ankamen, dafür aber als Upgrade auf ein hochwertigeres Model. Gewonnene Fussball-WM 1990 und der weitere Verfall der UDSSR machten die 90er Jahre zum vielleicht positivsten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts. Für mich mit den krönenden Abschlüssen von Abitur, einer New York Reise und der ersten eigenen Bude.

Das Ende vom positiven Gefühl und der Spassgesellschaft kam – zumindest vorläufig – mit den Anschlägen vom 11. September 2001, eine „Zeitenwende“ sicherheitspolitisch, aber jetzt mit dem Gefühl alle, also auch Russland ein bisschen zumindest, gegen den Terror.

Das dieses Gefühl jetzt eher einem Kater gewichen ist, liegt zu einem Gutteil vielleicht auch daran, dass ab einem bestimmten Punkt die Wirklichkeit nicht mehr mit diesem Gefühl Schritt halten konnte. Annexion von Krim, Einmischung in den Krieg in Syrien, Ermordung von „Staatsfeinden“ auf Gebiet anderer Länder – aber keine oder kaum Reaktionen darauf.

Und das Gefühl heute? Bei etlichen setzt das Hamstern ein, Sonneblumenöl wird nur noch rationiert abegeben. Brotpreise drohen bei uns hoch zu gehen, andere Lebensmittel wurden bereits verteuert. Angst vor Hungersnot? Zum Glück ist es so schlimm (noch) nicht. Zumindest nicht bei uns. Andere Länder, die zu einem Großteil auf Nahrungsmittellieferungen aus der Kornkammer Europas, der Ukraine, angewiesen sind, aber selbst ohnehin kaum Devisen haben, müssen sich hier schon mehr Sorgen machen.

Die Auswirkungen der Ereignisse der letzen Wochen lassen sich derzeit noch nicht in Gänze erfühlen und nur wenige Menschen sehen wahrscheinlich ab, was uns wirklich in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren bevorsteht.

Die Hoffnung ist, dass sich „der Westen“ nicht auseinander dividieren lässt und Geschlossenheit zeigt und auch bewahrt. Man solle keine gute Krise ungenutzt lassen, hat angeblich Churchill gesagt. Vielleicht ist das ja jetzt, anders als bei der Corona-Krise, möglich und wirklich auch in einigen Bereichen eine Chance. Optimistisch bleiben muss das Motto sein und bleiben.

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