Erziehung,  Medien,  Rezensionen,  Sprache,  Waldorf und Salat,  Weltsicht

Bei Pan Tau hört der Spass auf!

Hab ich doch am Wochenende wieder so einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, wie wenig geeignet für die heutige Zeit die Serien aus unserer Jugend doch sind. Sexistisch, rassisitisch, politisch nicht korrekt und ohnehin nur mit einer Nostalgiebrille der Stärke 8+ schaubar. Beispiele waren wie in letzter Zeit häufiger Jim Knopf, Pippi Langstrumpf und dieses Mal auch Fraggles und Pan Tau.

Über den letzteren habe ich mich ja neulich noch ausgelassen (hier!), darum kann ich den Unsinn, der da neulich verzapft wurde so nicht stehen lassen.

Klar ist, dass diese Serien, die zum Teil sogar in meiner Kindheit bereits „Klassiker“ waren, heute kaum eine Chance hätten, um so gedreht zu werden. Das Weltbild dieser Serien ist – natürlich – geprägt durch ihre Zeit. Mann geht arbeiten, Frau ist daheim. Tochter muss behütet werden und Sportler sind Bullies. Man durfte damalas noch „Neger“ sagen, Schwarze, Chinesen und andere Etnien wurden so Stereotyp gezeichnet, wie die beiden Gauner, die Pippi das Gold stehlen wollen.

Was diese einseitige SIcht übersieht ist, wie fortschrittlich diese Serien zum Teil in ihrer Sicht waren: Bei den Fraggles waren die Rollen zwar noch immer mit einem männlichen Übergweicht verteilt, aber auch die weiblichen Rollen durften hier gleichberechtigt ihre Frau stehen. Dem hat Jim Henson mit den Gorgs ein klassiches und nicht erstrebenswertes Bild gegenübergestellt. Aber dabei nicht aus den AUgen verloren, dass diese Form zwar nicht jedermans Sache ist, aber Mutter Gorg ist hiermit erfüllt und glücklich.

Als eine Serie meiner Jugend (obwohl auch etwa ein Jahrzehnt älter als ich) wird immer wieder gerne Star Trek herangezogen. Der erste Kuss eines weißen Mannes mit einer schwarzen Frau, ein Russe und ein Asiate auf der Brücke des Flaggschiffes der Sternenflotte. Trotzdem waren auch hier die Rollen klar verteilt und das über Jahrzehnte hinweg. Next Generation sowie DS9 haben weibliche Rollen auch alle nur in Nebenrollen gesehen, es hat bis zu Voyager gedauert, bis endlich eine Frau auf den Stuhl in der Mitte durfte. Und wenn man sich dann anschaut was danach kam, ist in Discovery zwar eine Frau die Hauptperson und die Emanzipation schon sehr weit, aber auch die letzte Serie aus dem Star Trek Universum, Picard, ist eher eine Sendung für alte weißte Männer über einen noch älteren weißen und vielleicht weisen Mann.

Pan Tau nun wieder, den ich neulich erst mit meinen Kindern angesehen habe, den meine Kinder geliebt haben (von wegen Nostalgiebrille), ist ja in seiner Form quasi eine Urform des Mr. Bean (auch ein Klassiker , obwohl Black Adder viel viel viel besser ist), PanTau spricht (zumindest ind er ersten Staffel) kein einziges Wort. Visual Comedy und visuelle Ernsthaftigkeit vom Feinsten. Ein Blick genügt um ganze Geschichten zu erzählen.

Wenn die Autorin (Mist, ich hab den Artikel eider nicht mehr gefunden) also Pan Tau, Fraggles, Pippi, Lukas und Jim und viele viele andere Serien und Filme meiner Kindheit und der Kindheit von Menschen älter und jünger als ich einfach als nicht mehr in diese Zeit passend abtut, dann sollt sie vielleicht auch überlgen, ob kleine Nachtmusiken und für Elise wirklich heute noch gespielt und aufgeführt werden sollten.

Wie aktuell man mit diesen Themen umgehen kann zeigt übrigens Jim Knopf – ich warte sehnsüchtig auf den zweiten Teil, denn obwohl in der Realverfilmung weiterhin mit Stereotypen gearbeitet wird, ist die Botschaft doch deutlich die, dass es nichts ausmacht, wo jemand her kommt, welche Hautfrabe jemand hat oder ob man Prinzessin oder Lokführer ist: nach einer Runde auf der Dampflock sind wir alle rusig und riechen geräuchert!

Please follow and like us:

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial