Medien,  Weltsicht

Wir lassen die Kirche im Dorfe wieder aufbauen

Zugegeben: Dorf und Kirche sind mehr als ein wenig untertrieben, wenn es um die Dimensionen von Notre Dame und Paris geht. Trotzdem nehmen die Diskussionen der vergangenen Tage um den Brand und die anschließende Spendeaktion täglich neue Züge an, bei denen man durchaus mal die Kirche im Dorfe lassen sollte und erst einmal alle Fakten auf den Tisch legen sollte.

Auch mein spontaner Gedanke bei der ersten 100 Mio. Euro-Spende war: und warum spenden die jetzt was und sonst nicht? Das Gefühl war auch bei den weiteren Spenden so und wenn ich überlege in welcher Geschwindigkeit mehr als 1 Milliarde Euro zusammen gespendet wurden, dann stellt sich diese Frage durchaus.

Aber bereits die Frage ist je bereits eine Unterstellung: ja es wird hier für ein paar Steine, ein Dach und etwas sog. Kunst Geld zur Verfügung gestellt, wie wahrscheinlich nie zuvor in einer Spendenaktion. Aber wer sagt denn tatsächlich, dass die Spender ansonsten nichts tun? Selbst wenn, wer gibt mir das Recht, das dann zu verurteilen? Es ist ihr Geld und auch wenn ich die moralische Verantwortung Gutes zu tun bei diesen Superreichen sehe, ist es kein Recht, das einzuklagen wäre.

Die Kehrseite des Spendenvolumens könnte übrigens den französischen Staat treffen, denn da diese Megaspenden steuerlich absetzbar sind (auch wenn die ersten angekündigt haben, davon keinen Gebrauch zu machen), werden dem Staat (oder den Staaten) etliche Steuergelder durch die Lappen gehen. Im Falle von Frankreich sind die Spenden also mit gemischten Gefühlen zu sehen, zumindest wenn man Finanzminister Frankreichs ist.

Andere bezeichnen diese Tragödie und den Umgang damit als eine große europäische Chance, um hier ein Symbol nicht nur Frankreichs wieder aufzubauen und über die Grenzen hinweg Solidarität zu zeigen. Ganz so positiv sehe ich das nicht, der Effekt wird eher lokal und zeitlich begrenzt bleiben.

Ein Wort noch zu allen, die diese Katastrophe für ihre eigenen niederträchtigen politischen Hetzereien missbruachen: Arschlöcher!

Am besten hat mir bei meinem Besuch in Notre Dame vor gefühlten 20 Jahren (oder waren es wirklich mittlerweile 20 Jahre?) eine Nische mit Kinderzeichnungen. Ein Ort, an dem Glauben gelebt wurde. Aber ob man dafür wirklich eine Kathedrale wie Notre Dame braucht?

Foto von Adrienn von Pexels

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