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Lesung Albert Ostermaier

Lesung am 13.11.2018 in Leeuwarden

Das erste Gedicht (Das Wort) wirkte wie ein Trommelfeuer von aneinander gereihten Worten und Worthülsen, ähnlich dem Lied MFG von den Fantastischen Vier. Das Wort wirkt wie eine Abrechnung an nicht gehaltene Worte, eine Reminiszenz an den Prolog des Johannesevangeliums mit Versatzstücken von Genesis und anderen Bibelteilen, die ich auf die Schnelle nicht direkt identifizieren konnte. Der Anklang an Tucholskis „Sprache ist eine Waffe“ waren eben so deutlich wie mein Wunsch den Text gegen die LTI von Victor Klemperer gegenzulesen. 

An der Prosa war wenig auszusetzen und wenig zu loben. Zwar teils kurz- und teils leider langweilig und fast immer völlig belanglos, aber ansonsten zeigt sich hier halt gutes Handwerk. Die autobiografischen Anspielungen auf die musikale Jugendsünde und den ersten Besuch im Jemen wirken wie eine Selbsttherapie mit Sehnsucht nach der eigenen Jugend, lassen einen beim Zuhören zumindest aber schmunzeln. Scheint ein Problem dieser Autoren Generation zu sein, erinnert es mich doch zumindest sehr an Tschick bzw. Wolfgang Herrndorf.

Die Reise von Lenz in den Jemen mit dem Bundesaußenminister erzählt auch nur Dinge, die sich jeder auch ohne diese Buch vorstellen kann und das Dilema des Protagonisten kann jeder Reporter nachvollziehen, der je aus einem Krieg-, Krisen- oder Katastrophengebiet berichtet hat und selbst eher in relativer Sicherheit war. Kein eigenständiger Mehrwert zum Verstehen der Welt. Wieder nur autobiografisch-inspirierte Vergangenheitsbewältigung ohne den Mut wirklich als „ich“ die Rolle des Protagonisten auch zu akzeptieren und zu verteidigen. 

Hierzu hat Ostermaier im Gespräch zwar erläutert, warum er nicht echt autobiografisch geschrieben hat (allerdings zu einem anderen seiner Bücher), aber das sich nicht trauen ist vielleicht der größte Schwachpunkt dieses Autors – auch wenn er sich seiner Zeit voraus fühlt.  

Völlig sinnbefreit waren zum Abschluss die Fußballgedichte – ich bin kein FC Bayern-München Fan, aber das hat Olli Kahn nicht verdient!

Albert Ostermaier - Erlangen 2011.jpg


By Amrei-Marie – Own work, CC BY-SA 3.0, Link

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