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Bildung,  Erziehung,  Weltsicht

Grundschule – Volksschule – Basisschool

Was soll ein Kind nach vier Jahren Grundschule in Deutschland oder hier in den Niederlanden nach 8 Jahren (bzw. 2+6 Jahren) Basissschool können? Zu dem, was in DE anscheinend erwartet wird und was ich so voll unterschreiben würde, habe ich eine ganz tolle Übersicht gefunden (hier).

Aber was davon lernen meine Kinder hier auf ihrer „Grundschule“ bis in Gruppe 8, also etwa bis zur sechsten Klasse?

Was mich hier am meisten nervt ist die sog. 6er-Haltung. Das ist keine physische Haltung, sondern eine Einstellung, mit der Kinder hier aufgezogen werden: eine 6 heißt bestanden, das ist ausreichend und mehr muss nicht. Bei ganz vielen Lehrern, noch mehr Eltern und vor allem Schülern überwiegt diese Haltung gegenüber einer Haltung, in der auch von Kindern erwartet wird, dass sie nicht nur ihr Bestes tun, sondern auch die Möglichkeit erhalten ihr Bestes zu steigern.

Schulen auf der anderen Seite hantieren eine „KPIs“: Neben der Anzahl an Schülern, die das Budget beeinflussen, das den Schulen zur Verfügung steht, sind das die Anzahl an Schülern aus Famiilen mit (sehr) niedrigem Bildungsstand (für die es extra Geld gibt), Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, Report der Onderwijsinspectie, wieviele Kinder gehen auf welche Schulform nach der basisschool und andere Zahlen, die eigentlich am Wesentlichen vorbei gehen: was können, wissen und begreifen diese Kinder eigentlich nach 2 Jahren Vorschule und 6 Jahren Grundschule?

Meine Schule, bzw. die Schule meiner Kinder ist zumindest gemessen an den Ergebnissen der Endtest einer der besseren am Ort (hier): 7,7. Die anderen Schulen scoren zwischen 7,9 und 6,8. Die Schulen in Den Helder selbst scoren zwischen niedrigen 5,8 und 7,8. Hier „auf dem Dorf“ ist die Welt also doch etwas heiler. Böse Zungen würden sagen, as liegt auch am relativ geringen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, obwohl ich mit meinen Kindern mit Migrationshintergrund das Gefühl habe, den Durchschnitt eher zu heben.

Aber sagt das was aus? Der Endtest wird landesweit durchgeführt, es gibt dabei zwei Systeme, wobei ein System (cito) bei weitem am verbreitesten ist. Es wird hier also vor allem getestet wieviel Stoff, den andere Kinder auch gelernt haben, hat jedes Kind in den Niederlanden tatsächlich drauf. Die Idee dahinter war bei einführung, dass jedes Kind die gleichen Chancen haben soll, um einen guten Schulabschhluss zu bekommen, unabhängig davon, wie beispielsweise das Elternhaus aussieht. Neben dem Problem, dass durch die Möglichkeiten gezielt hierfür zu lernen und Nachhilfe zu nehmen, was den Punkt der Chancengleichheit aushebelt, ist mein großer Kritikpunkt, dass hier erst mit dem Resultat festgestellt wird, wie gut oder schlecht ein Kind ist. Es geht hier um den Vergleich mit dem eigenen Jahrgang. Mit anderen Worten: theoretisch könnten zwei Jahrgänge den gleichen Test machen (in Echt ist das jedes Jahr ein neuer), ein Jahrgang könnte entsprechend einer Gausschen Normalverteilung abschneiden, derzweite komplett unter diesem Durchschnitt (aber mit gleicher Kurvernform): es würden aus beiden Jahrgängen die gleiche prozentuale Anzahl Kinder eine Schulempfehlung für Gymnasium bzw. Baumschule bekommen – obwohl der Jahrgang komplett anders abgeschnitten hat. Das sagt also in etwa so viel aus, wie der Vergleich von einem 2er Abi Bayern gegenüber einem 2er Abi Hessen: Im Rahmen der Anforderungen bestanden, trotzdem inhaltlich meilenweit auseinander.

Ein enormer Nachteil des Cito Tests (bzw. des Endtests) liegt auch daran, dass er als Multiple Choice abgenommen wird. Eine der Basisfähigkeiten, die ein Kind am Ende der Grundschule im Alter von 10 Jahren haben sollte, sich schriftlich dem Alter entsprechend ausdrücken zu können, wird hier nicht abgefragt oder jemals wirklich geübt.

Wie steht es mit den anderen Punkten aus der Liste:

Ein Gedicht oder ein Lied auswendig können: ja, wird irgendwie geübt.

Einen Vortrag halten: ja, wird zumindest erwartet und bewertet. Welche Übungen hierzu gemacht werden? Keine Ahnung.

Mathe geht, das wird gemacht (glaube ich).

Verkehrserziehung findet hier gut ein Jahr später statt, aber auch hier wird eine Fahrradprüfung gemacht.

Sachunterricht und Naturkunde: wenig.

Philosophie und demokratisches Grundverständnis: ich glaube Fehlanzeige.

Computerumgang: och nee, die Kinder können das doch alle schon.

„Von ihrer Entwicklung her sollten Zehn- bis Elfjährige Anstrengungsbereitschaft zeigen, den Willen haben Aufgaben selbstständig zu lösen und sich auch bei schwierigen Aufgaben durchbeißen können. Auch wenn es nicht immer sofort klappt – die Frustrationstoleranz von Kindern sollte nach der vierten Klasse so hoch sein, dass sie sich nicht gleich entmutigen lassen.“ No Comment.

Künstlerisch ausdrücken, singen und Musik machen spielt hier eine sehr untergeordnete Rolle, Kinder können nach der Grundschule keine Noten lesen, aber St. Martinslaternen basteln. Aktionen wie meermuziekopschool sind da ein tropfen auf dem heißen Stein, cool für die Schulen, die teilnehmen, jammer für Kinder, deren Schulen nicht teilnehmen.

Alles in allem muß ich also sagen, ich bin nicht zufrieden. Ich glaube nicht, dass ohne die Hilfestellung, die wir unseren Kinderen geben, unsere Kinder das wissen, was wir als wichtig ansehen.

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